Neue Umsatzsteuerregelung für den EU-weiten Vertrieb digitaler Produkte und Dienstleistungen ab 2015

Ab dem 01. Januar 2015 gibt es eine neue Umsatzsteuerregelung für Online-Händler, die elektronische Dienstleistungen an private Kunden verkaufen, wie die Bereitstellung von Musik oder Software. Bislang konnten alle Leistungen mit dem deutschen Mehrwertsteuersatz von 19% berechnet werden, wenn der Leistungserbringer (also im Regelfall Sie), den Sitz in Deutschland hatten. Künftig muss die Umsatzsteuer über verkaufte Produkte und Dienstleistungen im Land des Käufers erhoben werden. Kauft zum Beispiel ein Kunde aus Österreich bei Ihnen im Online-Shop ein Musik-Download, so müssen Sie als deutscher Shop-Betreiber die Umsatzsteuer in Österreich abführen. Die Regelung betrifft nur Händler, die an private Kunden verkaufen. Im Handel mit anderen Unternehmen (B2B) gilt nach wie vor die sogenannte Reverse-Charge-Regelung. Der Leistungsempfänger entrichtet die Steuer selbst.

Was genau sind „elektronische Produkte & digitale Dienstleistungen“?

Betroffen von der Gesetzesänderung sind Leistungen aus dem Bereich Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- und auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistungen. Hier zählen:

  • Bereitstellen von Websites, Webhosting, Fernwartung von Programmen und Ausrüstungen
  • Bereitstellung von Software und deren Aktualisierung
  • Bereitstellung von Bildern (z.B. Gewährung des Zugangs zu oder das Herunterladen von Desktop-Gestaltungen, Fotos, Bildern und Bildschirmschonern)
  • Bereitstellung von Texten und Informationen
  • Bereitstellung von Musik (z.B. Gewährung des Zugangs zu oder das Herunterladen von Musik auf PC, Handys usw. und die Gewährung des Zugangs zu oder das Herunterladen von Jingles, Ausschnitten, Klingeltönen und anderen Tönen)
  • Bereitstellung von Filmen und Spielen, einschl. Glücksspielen und Lotterien
  • Internet Service-Pakete, die mehr als nur die Gewährung des Zugangs zum Internet ermöglichen und weitere Elemente umfassen (z.B. Nachrichten, Wetterbericht, Reiseinformationen, Spielforen, Web-Hosting, Zugang zu Chat Lines usw.)

Nicht unter die Neuregelung fällt die Lieferung von Gegenständen, die im Internet bestellt werden, z.B. Bücher oder Musik-CDs.

Auswirkungen auf Ihren Online-Shop

Für betroffene Händler bedeuten die Neuregelungen, dass eine Anpassung des Shopsystems für ausländische Kunden notwendig wird. Größere Shop-Systeme wie Magento oder Shopware haben hier bereits entsprechende Updates bereitgestellt, die zum Download bereitstehen. Wie hoch der landesspezifische Steuersatz ausfällt, kann im folgenden verbindlichen Dokument der Europäischen Kommission eingesehen werden.

Wie wird die Mehrwertsteuer ab Januar 2015 abgeführt?

Online-Händler können die Steuer entweder direkt im jeweiligen Land abführen oder das Verfahren „Mini-One-Stop-Shop“ nutzen. Die Teilnahme an diesem freiwilligen Besteuerungsverfahren soll die Anmeldung vereinfachen, da eine zusammenfassende Meldung an das Bundesamt für Steuern (BTSt) abgegeben werden kann. Damit können Sie jede einzelne Anmeldung in einem EU-Mitgliedsstaat vermeiden. Die Mitteilungen müssen quartalsweise, spätestens am 20. Tag nach Quartalsende übermittelt werden.

Wo finde ich weitere Informationen zu diesem Thema?

Weitere Informationen zur neuen Umsatzsteuerregelung bietet das Bundeszentralamt für Steuern unter:
http://www.bzst.de/DE/Steuern_International/Mini_One_Stop_Shop/Mini_One_Stop_Shop_node.html

Ebenfalls möchten wir Sie bitten, sich im Zweifelsfall direkt an Ihre Steuerkanzlei zu wenden.

Hinweis: Dieser Artikel enthält rechtliche Hinweise, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Er kann keinesfalls eine rechtliche Beratung im Einzelfall ersetzen.